Familie und Bildung

Familie und Bildung

Ein großes Thema in der Politik ist die Familie und in diesem Zusammenhang auch immer der demografische Wandel. Dennoch gehört Deutschland immer noch zu den kinderfeindlichsten Ländern. Dazu tragen unter anderem die hohen steuerlichen Belastungen bei, die dazu führen, dass sich junge Paare sehr gut überlegen, ob sie ein Kind in die Welt setzen.

Interessanterweise konnte man am 22. Mai bei n-tv folgendes lesen:

Deutschland ist kinderfreundlicher geworden (1)

Das ist insofern bemerkenswert als das gerade im letzten Jahr Kinder diejenigen waren, die besonders gelitten haben. Sei es nun unter der eher sporadischen Bildung oder dem auferlegten Mangel an Kontakten zu Gleichaltrigen. Hinzu kommt eine erschreckend hohe Anzahl an Depressionen, die sich ganz besonders unter Kindern und Jugendlichen ausbreitet.

Die in den Krankenhäusern gefürchtete Triage ist in den Kinder- und Jugendpsychiatrien bereits bittere Realität. In einigen Einrichtungen werden deshalb nur noch suizidgefährdete Patienten aufgenommen.

Aus meiner Perspektive würde ich sagen, dass gerade Kinder und Jugendliche in der Krise zu den Verlierern zählen, ebenso wie ältere Menschen, insbesondere in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Beide Gruppen leiden unter der aufgezwungenen Isolation. Für eine Gesellschaft, die sich zivilisiert nennt, sollte das keine Option sein.

Aber auch häusliche Gewalt ist ein Problem, das sich in der Krise verstärkt hat und es betrifft in vielen Fällen wieder Kinder, die nun aber keine Bezugspersonen haben, die diese Mißhandlungen aufdecken können.

Ist das die Gesellschaft, die jedem dieselbe Bildung ermöglichen möchte, die Familien unterstützt? Wohl kaum. Das es überhaupt so weit kommen konnte ist aber das größere Problem. Während die Regierung gerne vollmundig von Familienförderung spricht, profitieren gerade Kinder nur selten davon.

Dabei muss man gar nicht das komplette System umkrempeln, aber einige Verbesserungen wären durchaus angezeigt. Ein eher banales Beispiel sind etwa Spielplätze, von denen es in Spanien deutlich mehr gibt als in Deutschland. Dies wäre aber ein wichtiger Aktionsraum für Kinder, um mit Altersgenossen zu interagieren.

Fortgesetzt wird das Ganze bei verschiedensten Aktivitäten für die das Elternhaus ein sehr entscheidender Faktor ist. Ob wir nun musikalische Früherziehung, Sprachförderung oder sportliche Vereinsaktivität als Beispiel anführen, Geld ist hierbei ebenso entscheidend wie der Wille der Eltern, das Kind zu fördern. Chancengleichheit geht aber anders. Kinder sollten sich unabhängig von ihrem Elternhaus ausprobieren können und die notwendige Förderung erhalten. Dabei sind Finanzmittel oft sogar der falsche Weg, vor allem dann, wenn sie direkt der Familie zufliessen, diese aber kein Interesse an der Förderung des Kindes hat.

Eine weitere benachteiligte Gruppe sind Alleinerziehende, die entweder nicht in Vollzeit arbeiten können oder aber nur wenig Zeit für ihre Kinder haben. Der Fokus auf Familien ist schön und gut – von mir aus auch mit Ehegattensplitting, etc., aber gerade Alleinerziehende müssen sich oft entscheiden und bekommen teilweise noch Steine in den Weg gelegt.

Kürzlich wurde ich gefragt wie ich zu Abtreibungen stehe und ich konnte nicht anders als der werdenden Mutter das Recht über ihren Körper zuzugestehen. Ich glaube auch nicht, dass eine Frau eine solche Entscheidung leichtfertig trifft und letzten Endes muss die Abtreibung ja begründet werden und ihr muss ein Beratungsgespräch vorausgehen. Dennoch gibt es sicher einige, insbesondere junge, Mütter, die sich vielleicht anders entscheiden würden, wenn sie nicht vor eine nahezu unmögliche Wahl gestellt werden. Hier geht es nämlich nicht nur um die eigene Zukunft, sondern auch die Zukunft des Kindes. Ich bin überzeugt, sehr viele würden sich für das Kind entscheiden, wenn sie sich sicher sein könnten, dass es genau die gleichen Chancen bekommen wird wie Kinder, deren Eltern über entsprechende Ressourcen verfügen, die jede Entfaltungsmöglichkeit zulässt.

Das schließt natürlich auch die Bildung mit ein. Immer noch haben Kinder aus Akademikerfamilien die höchste Chance auf einen Studienabschluss. Viele andere Kinder werden bereits in der Schule abgehängt, weil sie das Gefühl haben, möglichst schnell einen Job finden zu müssen. Schule ist da nur lästig.

Tatsächlich kann ich das sogar teilweise nachvollziehen, denn Lehrer und Lehrmethoden sind unterschiedlich und sprechen eben nicht alle Schüler gleichermaßen an. Umso wichtiger wäre es die Leistungen objektiv vergleichbar zu machen.

Deshalb plädiere ich für zentrale Schulabschlüsse, bei denen der Wissensstand für alle gleichermaßen abgefragt wird. Mit zentral meine ich hierbei bundesweit. So würden auch die Unterschiede egalisiert, die es beispielsweise zwischen einem bayerischen Abitur und einem aus Bremen gibt. Die Vergleichbarkeit wäre wieder gewährleistet und die Länder und Schulen hätten dennoch weiter freie Hand darin, wie sie die Lerninhalte vermitteln, um das vorgegebene Ziel zu erreichen.

Mir ist natürlich klar, dass dadurch eine Art Konkurrenzkampf entsteht. Dieser ist ja heute eher unerwünscht. Ein solcher Wettbewerb hat aber nicht nur Nachteile, er kann auch eine wichtige Frustrationstoleranz lehren und darüber hinaus einen Diskurs nach objektiven Kriterien fördern. Diese Fähigkeiten sind meines Erachtens sehr wichtig für eine Gesellschaft und das Zusammenleben.

(1) n-tv-Artikel – Deutschland ist kinderfreundlicher geworden

https://www.n-tv.de/panorama/Deutschland-ist-kinderfreundlicher-geworden-article22570592.html

Photo by Patricia Prudente on Unsplash

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