Digitalisierung und Verkehr

Digitalisierung und Verkehr

„Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher.“

Diesen Satz hört man immer wieder. Das stimmt in gewissen Punkten auch tatsächlich. Besonders häufig wird in diesem Zusammenhang der Ausbau des 5G-Netzes kritisiert oder besser gesagt der schleppende Ausbau. Hinzu kommt die veraltete Technik, die vielfach noch in Behörden genutzt wird. Anstelle einer digitalen Vernetzung arbeiten diese teilweise noch mit Faxgeräten, was zu deutlichen Verzögerungen in der Kommunikation führt.

Doch gerade die 5G-Technologie ist nicht unumstritten. Manche sagen, sie wirke sich schädlich auf den Menschen sowie die Flora und Fauna aus. Um zu erkennen wie schädlich Strahlung sein kann, muss man kein Verschwörungstheoretiker sein. Ein langes Sonnenbad im Frühsommer führt zu einem Sonnenbrand, hervorgerufen durch ultraviolette Strahlung, die für das menschliche Auge unsichtbar ist. Kernkraftwerke werden ja auch nicht deshalb abgeschaltet, weil diese so ineffizient sind, sondern weil die möglichen Schäden eines Reaktorunfalls für die Umwelt und die Menschen gravierend sein können und die Zwischen- und Endlagerung zum Problem wird, das wir nachfolgenden Generationen aufbürden.

Wer also so tut, als wäre die Strahlung durch die Funknetze kein Problem, der möchte einfach keines sehen. Immerhin werden mobile Endgeräte immer mit einer Angabe zu den Strahlungswerten versehen. Deshalb sollte der Einführung von neuen Technologien immer auch eine Testphase in einem Naturgebiet vorausgehen. Gerade bei 5G sind die Hinweise alarmierend, auch wenn nicht jede Angst sich bestätigen wird. Erstaunlich ambitioniert scheint mir das Vorhaben, diese Technologie flächendeckend ausbauen zu wollen, obwohl vielmehr Funkmasten benötigt werden als bei der 4G-Technologie (LTE) oder als beim 3G-Netz. Beide sind nie wirklich flächendeckend nutzbar gewesen und werden inzwischen sogar zurückgebaut.

Tatsächlich würde ich den Ausbau noch einmal stoppen und 5G in verschiedenen Gebieten testen lassen. Dazu wäre natürlich auch ein Kontrollgebiet notwendig, in dem keine Funkmasten aufgestellt werden, um eine direkte Vergleichbarkeit zu ermöglichen.

Außerdem würde ich es vorziehen, wenn der Staat sich selbst um den Ausbau der Netze kümmert. So könnte er diese an verschiedene Betreiber vermieten und es wären regelmäßige Einnahmen ebenso gewährleistet wie eine flächendeckende Verfügbarkeit. Allerdings würde ich insgesamt den Ausbau von Glasfaser einem Ausbau von Funknetzen vorziehen, wenigstens dort, wo er möglich ist.

Doch im Grunde ist das nur ein Teil der Digitalisierung. Als ich vor kurzem ein neues Führungszeugnis für meinen Arbeitgeber beantragen musste, war ich schon froh, diesen „Behördengang“ per E-Mail erledigen zu können. Tatsächlich ist das ist noch immer nicht Standard.

Hinzu müsste eine Vernetzung der Behörden kommen, um beispielsweise Sozialbetrug verhindern zu können. Mir ist klar, dass dies nicht allen gefallen wird und ein Teil der Kritik ist durchaus angemessen. Denn ein großes Problem besteht auch in der Datensicherheit, die häufig nicht gewährleistet werden kann. Außerdem ist in diesem Zusammenhang immer wieder die Rede vom gläsernen Bürger. In einem Staat, der Eigenverantwortung ablehnt ist ein solches System in der Tat problematisch, aber so muss es ja nicht sein. Eine Vernetzung könnte auch Vorteile bringen.

Leider gelten nicht nur Behörden als Baustellen der Digitalisierung, unsere Bildungseinrichtungen sind auch nicht gerade Vorreiter. Ein Problem sehe ich zum Beispiel in der Herangehensweise. Kinder und Jugendliche lernen im Grunde keinen sinnvollen Umgang mit digitaler Technik, was gerade bei jüngeren Kindern zu Problemen führt. Nicht nur Eltern, die Handy- und Computerzeiten für ihre Kinder einschränken, sondern auch Schulen, könnten zu einer weniger ausufernden Nutzung beitragen.

Mir ist dabei durchaus bekannt, dass die Handynutzung im Unterricht verboten ist. Allerdings wurde der Unterricht im letzten Jahr vom Klassenzimmer ins Kinderzimmer verlegt und dort müssen Kinder dann stundenlang vor dem Computer oder dem Tablet sitzen. Eine solch exzessive Nutzung halte ich für nicht zielführend. Gerade in jungen Jahren erlernen Kinder einen großen Teil ihrer Sozialkompetenz. Das langsame Heranführen mit einer möglichen Steigerung der Nutzung digitaler Technologien, wäre sehr viel sinnvoller. Digitalisierung bedeutet also auch einen sinnvollen Umgang mit der Technik zu finden.

Ein weiteres Puzzleteil ist die Automatisierung von Prozessen in der Produktion und in diesem Zusammenhang auch die Robotik und natürlich die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. KI ist aus meiner Sicht ein problembehaftetes Thema, auch wenn Szenarien wie in „iRobot“ oder „Terminator“ uns vermutlich erspart bleiben. Dennoch sollten wir unser Leben und die menschlichen Entscheidungen nicht einem Computer anvertrauen. Gleiches gilt aus meiner Sicht für alle Abläufe im Alltag. Mag die Robotik in der Industrie noch ihre Berechtigung haben, so sehe ich den Einsatz am Menschen als kritisch an. Die bereits geäußerte „Vision“, Pflegekräfte durch Roboter zu ersetzen ist ein Teil davon.

Eine weitere Lehre aus dem letzten Jahr ist doch, dass Einsamkeit krankmacht. Deshalb ist der Einsatz von Computern und Robotern – nur weil er auch möglich ist – nur dort eine Option, wo für menschliche Interaktion kein Bedarf besteht. In der Pflege und der Betreuung gibt es diesen Bedarf aber, weshalb ich den Einsatz von derartigen Technologien in diesen Bereichen ablehne. Sie sollten höchstens als Unterstützung dienen, um die Arbeit zu erleichtern.

Natürlich ist digitale Technik allein nicht alles und sie stößt schon jetzt an ihre Grenzen – etwa bei der Netzverfügbarkeit – wo viele Menschen zusammenleben oder sich begegnen. Überhaupt wird das Zusammenleben durch eine Ballung stark erschwert und Menschen gleiten sogar eher in die Anonymität ab, beispielsweise in großen Wohnblocks, woraus sich auch psychische Erkrangungen entwickeln können. Dennoch bauen wir immer wieder solche Blocks. Die Vision der Zukunft besteht aus Wohnkomplexen in denen wir am Besten leben und arbeiten sollen. Nebenbei gibt es in solchen Komplexen auch noch Freizeiteinrichtungen, die das Leben von tausenden Menschen auf einen Megakomplex konzentrieren. Wo bleibt da das Menschliche und wo die Natur?

Tatsächlich sollten wir doch begriffen haben wie diese Ballung Konflikte befeuert und psychischen Erkrankungen den besten Nährboden bietet. Eine Entzerrung der bereits bestehenden Ballungsgebiete ist im Grunde die einzige sinnvolle Lösung. Sie wird auch einen Teil unseres Verkehrsproblems lösen, zu dem der, zu Stoßzeiten überfüllte, Nahverkehr ebenso zählt wie Straßen auf denen sich kilometerlange Staus bilden.

Die digitale Anbindung ländlicher Gebiete stellt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Schritt dar. Doch auch die Verkehrsplanung bietet hierfür einige Optionen. Obwohl die Vergabe des ÖPNV vielerorts an Bedingungen geknüpft ist, spielt die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Deshalb werden einige kleinere Örtschaften nur dreimal täglich von Bussen angefahren. Was aus wirtschaftlicher Sicht logisch erscheint, führt dazu, dass Menschen sich weiter in den Ballungsräumen sammeln. Auch die Privatisierung der Bahn hat in einigen Bereichen zu Problemen geführt. Aus meiner Sicht muss der ÖPNV nicht kostenlos sein, aber doch wenigstens flächendeckend ausgebaut. Nur so lassen sich Ballungsgebiete entzerren und auch der ländliche Raum kann für Unternehmen wieder attraktiver werden. Dies spielt zum Beispiel in der Versorgung eine wichtige Rolle.

Ob wir einen staatlichen ÖPNV brauchen, ist sicher strittig, aber, dass dieser flächendeckend verfügbar sein muss und die Politik im Zweifelsfall dort unterstützen sollte, wo dies noch nicht gewährleistet ist, scheint für mich auf der Hand zu liegen.

Photo by Alexander Popov on Unsplash

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