Das Thema KI ist und bleibt vermutlich noch „eine Weile“ brandaktuell. Nirgendwo wird es dabei so kontrovers diskutiert wie im kreativen Bereich. Die Politik weigert sich, das Problem zu adressieren, oder kommt nur sehr langsam voran. Also ergreifen Verlage die Initiative und wollen das Urheberrecht gerichtlich durchsetzen.
Grund genug für mich, noch einmal deutlich Position zu beziehen. Bislang habe ich mich darauf beschränkt, meine Gedanken sehr allgemein zu formulieren. Inzwischen sind wir jedoch an einem Punkt, an dem KI-Unternehmen massenhaft Bücher aufkaufen – etwa aus antiquarischen Beständen – und damit ihr System füttern. Dabei geraten die Werke selbst in den Schredder und sind unwiderbringlich verloren.
Insgesamt ist es kein Geheimnis, wie LLMs, aber auch andere generative KI-Tools, lange trainiert wurden und teilweise heute noch werden. Viele kreative Werke sind ohne das Wissen und die Zustimmung ihrer Erschaffenden auf diese Weise gewissermaßen „entwendet“ worden. Große KI-Firmen nutzen Grauzonen oder Mängel im Urheberrecht und verdienen mit den Werken anderer Menschen Millionen, ohne sie angemessen zu entschädigen.
Doch wenn in Zukunft alle Werke in die KI-Modelle eingespeist wurden und daraus ein generischer Einheitsbrei entstanden ist, oder im besten Fall vielleicht die Kopie eines anderen Künstlers, was bleibt dann von der eigentlichen Kunst? Wenn kein Künstler entlohnt wird, wovon leben die Künstler dann? Schon jetzt können viele Schriftsteller nicht von den Erträgen ihrer eigentlichen Arbeit leben. Das Schreiben wird zur Nebensache degradiert.
Durch die aktuelle Praxis wird das Problem weiter verschärft, und zwar für alle Kreativschaffenden. Es findet eine Entwertung von Kunst statt, weil die Lobby im Vergleich mit verschiedenen Industriezweigen eher klein ist. Nicht zum ersten Mal sind Künstler die Leidtragenden politischen Handelns oder in diesem Fall ihrer Untätigkeit.
Längst geht es nicht mehr um einen wenig inspirierend formulierten Social-Media-Beitrag oder das mäßig originelle Bild eines KI-Modells. Beides ist vertretbar und es ist mir im Grunde sogar gleichgültig. Ich muss nichts davon lesen. Inzwischen geht es jedoch darum, wie große KI-Sprachmodelle, aufgrund des entsprechenden Prompts, ein ganzes Buch ausspucken. Es braucht dann nicht einmal eine detaillierte Betrachtung, um festzustellen, wessen oder welches Werk kopiert wurde.
Diese Unverfrorenheit ist entweder bewundernswert oder dreist – je nachdem, auf wessen Seite man steht. Wenn Konzerne sich derart sicher sein können, keine Konsequenzen fürchten zu müssen oder die eventuelle Strafe mit einem Augenzwinkern zu bezahlen, ist das System KI längst außer Kontrolle. Kein Wunder also, dass die Klagen der Verlage in den sozialen Medien unter Autoren und anderen Kreativen gefeiert werden.
Daraus ergibt sich für mich nur eine logische Konsequenz: Transparenz oder meine eigene KI-Direktive.
Das bedeutet, ich stelle unmissverständlich klar, wann ich wofür KI verwendet habe, verwende und in welchem Umfang ich welche Tools nutze.
Wofür habe ich KI bislang verwendet?
Tatsächlich habe ich verschiedene Bildgeneratoren ausprobiert. Dazu zählt natürlich ChatGPT von OpenAI, aber auch Adobe Firefly. Allerdings habe ich die Nutzung in jedem Fall angegeben. Unter jedem Beitrag findet sich ein Hinweis auf den Ursprung des Bildes. Einfache Grafiken erstelle ich manchmal selbst, früher mit Adobe Illustrator, inzwischen mit Affinity. Wenn ich passendes Bildmaterial finde, bevorzuge ich grundsätzlich Stockfotos oder Grafiken – inzwischen meist von Adobe Stock.
Tatsächlich habe ich ChatGPT von OpenAI ausprobiert, um einfache Texte zu erstellen. Zwei Posts auf LinkedIn, die ich nachbearbeitet habe, fallen ebenso darunter wie zwei Texte auf dieser Webseite, die ich ebenfalls nachträglich ändern musste.
Warum „musste“ ich den Text ändern?
ChatGPT hat eine spezielle Art, Texte zu verfassen. Dadurch wirken sie generisch und nichtssagend. Einige Worte werden im Englischen verwendet und von ChatGPT direkt übersetzt. Dadurch lässt sich hinterher leicht erkennen, dass der Text von einem KI-Modell erstellt wurde. Natürlich kann jeder Prompt verfeinert, jeder Text auch mithilfe der KI weiterentwickelt werden, aber das Ergebnis entspricht in der Regel nicht meinen Vorstellungen oder einfach nicht mir.
Davon abgesehen ist der Aufwand so hoch, dass ich den Text gleich selbst verfassen kann. Und ich bin selbstbewusst genug, um zu behaupten: Ich kann es auch einfach besser.
Darüber hinaus habe ich inzwischen ChatGPT und Vibe verwendet, um mich bei verschiedenen Projekten anleiten zu lassen. Auf diese Weise konnte ich meine Fähigkeiten in Adobe InDesign weiterentwickeln und mir einige Basisfähigkeiten in Affinity aneignen. Das Artbook zu meinem letzten Buch, das es hier kostenlos zum Download gibt, habe ich mithilfe von ChatGPT konzipiert. Wenn ich nicht wusste, wie ich etwas grafisch umsetze, konnte das Tool mich anleiten.
Zuletzt habe ich für private Zwecke ein Fotobuch in Affinity erstellt – unter Anleitung von Vibe, dem KI-Modell von Mistral. Mein ChatGPT-Plus-Abo habe ich inzwischen gekündigt, obwohl das Tool wahrscheinlich noch immer eines der vielseitigsten ist. Auch dank der Nähe zur derzeitigen US-Administration halte ich OpenAI für kompromittiert. Hinzu kommt, dass ich nicht wirklich darauf angewiesen bin.
Wofür ich KI noch nie verwendet habe und auch in Zukunft nicht verwenden werde
Als ich mein erstes Buch geschrieben habe, gab es noch kein Large Language Model, das weit genug entwickelt gewesen wäre, um mich zu unterstützen. Ehrlicherweise hätte es dem Buch vielleicht sogar gut getan, wäre es anders gewesen. Aus gutem Grund habe ich den Titel im letzten Jahr in einer überarbeiteten Version neu aufgelegt. Das gilt auch für mein zweites Werk.
In beiden Fällen wäre es theoretisch möglich gewesen, den überarbeiteten Text von einer KI prüfen zu lassen. Ich nehme an, das hätte mir viel Zeit gespart. Allerdings fühlte und fühlt sich das für mich nicht stimmig an. Mittlerweile bin ich sogar an einem Punkt, an dem ich meine Bücher, meine Geschichten auch zukünftig komplett aus allen KI-Modellen heraushalten möchte. Das schließt Analyse, Struktur und einfaches Brainstorming ein.
Die Gründe dafür sind einfach:
- Die Praxis, mit der die Tech-Konzerne vorgehen, halte ich für unethisch.
- KI-Modelle haben die Angewohnheit, Texte zu verschlimmbessern, und bauen gelegentlich sogar Fehler ein oder verändern die Bedeutung.
- Noch schlimmer sind jedoch die pseudo-bedeutungsschwangeren Floskeln, die, abgesehen vom fehlenden Mehrwert, überhaupt keinen Sinn ergeben.
- Ich mag den Prozess der Entwicklung, den die Charaktere und die gesamte Welt in meinem Kopf durchleben, bevor und während ich eine Geschichte zu Papier bringe. Man könnte auch sagen, ich schreibe – wenigstens teilweise – um des Schreibens willen.
- Schreiben bedeutet für mich, nachzudenken, über philosophische Fragen, über Menschlichkeit und vieles mehr. Es ist ein Bewusstwerdungsprozess, eine Auseinandersetzung mit Dingen und dem Sein an sich. Dieser Prozess geht verloren, wenn ich einer KI auch nur einen Teil der Arbeit überantworte.
- Wenn ich möchte, dass jemand für eines meiner Bücher Geld bezahlt, dann soll die Person wissen, dass ich Sorgfalt und Mühe in dieses Buch investiert habe. Das gilt auch dann, wenn das Werk weniger Anklang findet. Es ist eine Frage des Respekts für alle lesebegeisterten Personen. Denn es gibt ohnehin zu wenige davon.
- Und natürlich ist da noch die Frage des Urheberrechts. Wie kann ein Werk urheberrechtlich geschützt sein, wenn ich die eigentliche Arbeit einer Maschine überlasse? Das passt für mich nicht zusammen.
- Schließlich ist da noch die Frage der Konsistenz. Ich schrieb bereits, wie KI-Modelle häufig mit nichtssagenden, aber bedeutungsschweren, Wortkombinationen aufwarten. Hinzu kommt, dass die Modelle noch immer Details vergessen und halluzinieren. Wer einmal eine längere Unterhaltung mit einem KI-Chatbot geführt hat, weiß, worüber ich hier schreibe. Mein letztes Buch hatte einen Umfang von mehr als 330 000 Wörtern. Es ist möglicherweise nicht makellos in seiner Konsistenz und Konsequenz, aber alle Fehler kann ich guten Gewissens auf mich nehmen und sie als meinen ganz persönlichen Lernprozess verstehen. Ich glaube nicht, dass irgendein Modell bei diesem Umfang noch mitgekommen wäre – insbesondere in den Jahren 2024/2025, als das Buch entstanden ist.
Im Übrigen habe ich das Cover für mein letztes Buch professionell entwerfen lassen. Und ich finde, es war jeden Cent wert. Wann immer es mir möglich ist, professionelle Unterstützung zu finanzieren, werde ich genau das tun.
KI-Modelle können praktisch sein und einem manche Arbeit erleichtern, aber in kreativen Berufen haben sie im Grunde nichts verloren. Das gilt nicht nur, weil sie dort Standards herabsetzen und dabei Arbeitsplätze vernichten, sondern vor allem, weil KI an anderer Stelle viel dringender benötigt wird. Nämlich überall dort, wo sich wiederholende Tätigkeiten für Frustration sorgen und generische Abläufe das kreative Potenzial unterdrücken oder gar vernichten.
Deshalb habe ich aus Gründen der Transparenz entschieden, meiner Seite eine KI-Direktive hinzuzufügen, die für meine Arbeit als Autorin Gültigkeit besitzt.
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