Bild zu: KI – kreative Intelligenz? Das Bild zeigt die schemenhafte Darstellung eines Menschen in der Natur, mit einem Notebook auf dem Schoß, vor einem Sonnenuntergang. (c) Copyright: Bild: Adobe Stock, Bildnummer: 2038303697

KI – kreative Intelligenz?

Eine provokante Deutung, die ich absichtlich mit einem Fragezeichen versehen habe. Doch wieso stelle ich mir überhaupt die Frage, ob KI auch kreative Intelligenz sein kann? Beiträge, Bilder, Musik, Videos, sogar ganze Bücher werden heute teilweise und/oder immer häufiger mit KI generiert. Natürlich kann KI noch viel mehr, aber dieses Thema ist eines der am häufigsten diskutierten – besonders in sozialen Medien und Netzwerken.

Dabei zeigt sich die Meinung des jeweiligen Beitragsurhebers in der Regel schon nach wenigen Sätzen klar und unmissverständlich. Was mir bisweilen fehlt, ist eine differenziertere Betrachtung des Themas. Und das gilt primär für den kreativen Bereich, denn in einigen anderen Bereichen – etwa bei monotonen, sich wiederholenden Tätigkeiten – ist der Mehrwert im Allgemeinen unstrittig.

Würde ich das auch ohne KI tun?

Aus einer einfachen Idee allein wird noch lange kein Projekt. Ich kann hier im Wesentlichen für den Schreibprozess argumentieren, aber die Struktur lässt sich für andere kreative Projekte anpassen. Dem Schreiben selbst, egal, ob es sich um einen (Blog-)Beitrag oder um eine Geschichte handelt, gehen gewisse Prozesse voraus. Ein Brainstorming, um festzulegen, was ich überhaupt mitteilen möchte, ist unerlässlich. Das Gleiche gilt für eine gewisse Struktur.

Wenn ich eine Geschichte erzähle, werden die vorgelagerten Aufgaben selbstredend komplexer. Das World-Building, die Erschaffung der Figuren und Strukturen bilden eine wichtige Basis, um das Projekt abschließen zu können. Möglicherweise recherchiere ich vor und während des Schreibprozesses, um bestimmte Fakten einzubinden und das Szenario realistischer zu gestalten.

Das sind keine optionalen Anforderungen. Je mehr ich davon selbst erledige, desto tiefer tauche ich bereits vorab in das Thema ein, umso einfacher gestaltet sich später die eigentliche Aufgabe.

Allerdings kann es gute Gründe geben, um einige Tätigkeiten mit KI-Unterstützung abzukürzen – etwa beim Brainstorming, zur Strukturierung eines oder mehrerer Projekte und natürlich zur Analyse von Texten oder Textauszügen. Anschließend kann man die gesammelten Informationen – etwa bei einem Spaziergang – weiterdenken oder verwerfen.

Wirklich relevant ist doch, wie ich die Tools einsetze, die mir die neuen technologischen Möglichkeiten bieten. Am Ende kommt es also darauf an, ob ich die Schlussfolgerungen einer KI als einzig gültige Wahrheit betrachte oder in der Lage bin, meinen eigenen Stil beizubehalten.

Als Autorin möchte ich meine Texte selbst schreiben, und ich gehe davon aus, dass viele Kreative ihre Werke selbst produzieren wollen. Darin besteht der Antrieb: etwas zu erschaffen. Wir wollen den gesamten Entwicklungsprozess durchlaufen, anstatt ihn durch einen Prompt zu ersetzen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, gerade unter den Autoren. Doch wenn ich alle zwei bis drei Tage ein Buch „prompte“, um KDP damit zu überschwemmen, tritt die eigentliche Kreativarbeit und die Autorentätigkeit eher in den Hintergrund. Ich vermute, dass die Meinungen zu dieser These stark in eine bestimmte Richtung tendieren.

Eine Frage der Ressourcen

Dieser Aspekt – Ressourcen – wird sowohl von Befürwortern einer KI-Strategie als auch von ihren Gegnern häufig falsch eingeschätzt, obwohl er das Kernstück der Debatte bilden sollte. Dabei geht es primär darum, ob ich mir ein professionelles Outsourcing einer kreativen Tätigkeit leisten kann.

Lautet die Antwort auf die Frage „Ja“, steht man vor einem Dilemma. Hier entsteht das Problem und die Angst vieler kreativer Dienstleister, die in diesem Zusammenhang selbstverständlich legitim ist. Wenn die (finanziellen) Ressourcen zwar vorhanden sind, aber eingespart werden sollen, kann das ernste Konsequenzen haben, und zwar nicht ausschließlich für Kreativberufe.

Ein Unternehmen, das viel mit KI-Content arbeitet, kann schnell unter den Verdacht geraten, Kostenoptimierungen überall dort vorzunehmen, wo es möglich ist. Einigen Kunden mag das kaum auffallen, aber diejenigen, die es bemerken, werden sich dabei mindestens teilweise unwohl fühlen. Schnell kann die Frage lauten, ob auch bei Dienstleistungen oder generell am Produkt gespart wird. Am Ende wird das vielleicht sogar die Konsequenz sein (müssen), weil Kunden und Gewinne ausbleiben.

Für ein Unternehmen ist diese Strategie also nur bedingt ratsam. Bei allen Content-Creatorn für Social Media dürfte der Druck jedoch häufig hoch sein. Wer nicht ständig postet, gerät schnell in Vergessenheit. Spätestens an dieser Stelle wird KI vom Segen zum Fluch, doch es gibt auch andere Wege.

KI als Lerntool

Wenn also keine Ressourcen zur Verfügung stehen, um eine kreative Tätigkeit auszulagern, scheint die Lösung verhältnismäßig unkompliziert. Mit einem Prompt kann ich die Aufgabe theoretisch erledigen (lassen). Je nachdem, wie anspruchsvoll die Erwartungen sind, kann diese einfache Aufgabe zu einer kniffligen Angelegenheit werden. Doch genau hier bietet KI noch eine weitere Option.

Anstatt einen Task vollständig an die KI zu übergeben, kann ich den Chat dafür nutzen, mir Wissen anzueignen – und eine Anleitung zur Selbsthilfe generieren. Dabei erweitere ich meine Optionen und meine Kenntnisse. Das betrifft einerseits den Bereich KI selbst und andererseits das entsprechende Fachgebiet. Natürlich werde ich damit keinen Profi ersetzen, aber ich erlange auf diese Weise vielleicht mehr Wertschätzung für seine Arbeit.

Insgesamt ist das deshalb so bedeutsam, weil eine Tätigkeit, die ich nicht ausführen kann, für deren Outsourcing mir aber (finanzielle) Ressourcen fehlen, auf diese Weise keineswegs brachliegen muss. In der Realität wären die Optionen ohne KI vielleicht deutlich limitierter. Die Frage würde dann lauten, ob ich einen Profi engagiere oder nichts tue. Letzteres ist immer die schlechteste Option.

Ein KI-Chat kann mir auf diesem Weg stundenlange Video-Erklärungen ersparen, in denen vielleicht am Ende genau die Informationen fehlen, nach denen ich suche. Zusätzlich kann ich bei diesem Vorgehen häufig Rückfragen stellen, bis ich etwas verstanden habe. Am Ende kann ich mein Ergebnis analysieren lassen, um es konsequent zu verbessern.

Unter diesen Aspekten erhält der Einsatz von KI-Tools also eine neue Bedeutung und kann hoffentlich etwas differenzierter betrachtet werden. KI selbst ist ein Werkzeug. Die Art und Weise, wie wir davon Gebrauch machen, entscheidet darüber, ob es „gut“ oder „schlecht“ ist. Es geht also vor allem um eine verantwortungsvolle und sinnvolle Nutzung. Dafür genügt es bereits, sich vorab wenige gezielte Fragen zu stellen und ehrlich darauf zu antworten.

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